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Review: Manhunt  |  Zurück

Manhunt

Spiel: Manhunt
Entwickler: Rockstar North
Vertrieb: Rockstar Games
Veröffentlicht: 23.04.2004
Freigabe ab: Beschlagnahmt gemäß § 131 StGB (am 19.07.2004)

Der Fall „Review: Manhunt“

Ein Spiel mit dem Titel „Menschenjagd“ lässt schon einiges erahnen. Doch auch so dürfte es den Meisten bekannt sein, da in Medien und Fachpresse gleichermaßen darüber diskutiert wurde. Vielen ist es aber eben nur “bekannt“, da es in Deutschland (offiziell) „verboten“ ist. Wie krass muss ein Spiel sein, damit es neben der 18er Freigabe und der möglichen Indizierung auch noch beschlagnahmt wird (das Verbot eines Spiels ist etwas anderes als eine gewöhnliche Indizierung)? Die Antwort: Das Spiel muss menschenverachtend sein! Es muss mehr bieten als (nur) pure Gewaltdarstellung. In gewisser Weise erfüllt der neue „Rockstar Games“ Titel diese Punkte.


Klappe und Action!

Die Story erinnert sehr stark an Filme wie „Running Man“ mit Arnold Schwarzenegger oder „Harte Ziele“ mit Jean-Claude Van Dame. Der zum Tode verurteilte Verbrecher James Earl Cash stellt kurz nach seiner geplanten Hinrichtung fest, dass er gar nicht hingerichtet wurde. Der Aufseher und Filmemacher -Starkweather- hat –Cash- am Leben gelassen, um diesen durch versch. Horrorszenarios, gespickt mit Kameras, zu führen. Cash´s neue Aufgabe um selbst am Leben zu bleiben: Möglichst viele „Menschen“ möglichst grausam töten. Bei den Gegnern handelt es sich anfangs um Gangs, die ihre Gebiete verteidigen, später geht es sogar der Polizei und Spezialeinheiten an den Kragen. Alles koordiniert von Starkweather, der möglichst gutes (Snuff-)Material haben möchte um es dann weiter zu verkaufen oder sonst was damit anzustellen. Da Cash selbst mehrfacher Mörder ist, keine Moralvorstellungen hat und ja selbst überleben will, muss er das Spiel mitspielen. Wie bereits gesagt „führt“ sie Starkweather durch die Levels und gibt ihnen Tipps (jedenfalls in den ersten Szenarios). Beginnend im Tutorial, endend im 16. Level in einer alten Villa. Durch Zwischensequenzen wird die Story und Cash vorangetrieben, nämlich meist in ein neues Gebiet.


Mord und Totschlag

Insgesamt kann man Manhunt als „Schleich-Shooter“ bezeichnen. Es ist eine Mischung aus Max Payne und Splinter Cell. Es bietet aber keinen direkten Vergleich, da bestimmte Spielelemente eben doch einmalig sind. So gibt es gleich drei Möglichkeiten (pro Gegenstand) den Gegner zu töten. Nach immer demselben Muster muss sich Cash, mit gezückter Waffe, an seine Feinde heranschleichen. Nun erscheinen gelbe Dreiecke um den Kopf, diese wechseln in drei Stufen, abhängig davon wie lange Cash wartet und sie die linke Maustaste gedrückt halten, dann kommt eine der jeweils drei möglichen Tötungsarten zum Vorschein und wird in schlechter, unscharfer, flimmernder Qualität in einer Art Zwischensequenz gezeigt, was wie ein altes Video wirken soll. Die meiste Zeit finden sie sich in dunklen Ecken und Verstecken wieder und warten auf den nächsten Widersacher, bzw. locken ihn mit Geräuschen, wie an die Wand klopfen, an. Haben sie sich lange genug an einen Gegner herangeschlichen schlachten sie diesen regelrecht nieder. Mit dem Baseballschläger schlagen sie je nach Stufe auf den Schädel des Widersachers ein bis dieser zertrümmert. Die Plastiktüte dient (u.a.) zum ersticken der Gegner. Mit dem Draht schneiden sie gleich den ganzen Kopf ab. Alles in drei verschiedenen Gewaltstufen und um nur einige Beispiele genannt zu haben. Weiterhin finden sie auch Glasscherben, Fleischerbeil, Holzsplitter und schließlich sogar eine Kettensäge. Natürlich gibt es auch gewöhnlichere Waffen wie M16-Maschinengewehr, versch. Pistolen, Schrotgewehr und Nagelwerfer (!). Jedoch können sie mit den Schusswaffen keine „Finishing-Moves“ machen, das heißt kein langes Schleichen sondern eher kurzes Ballern.


Spannung und Abwechslung?

Manhunt soll dreckig und böse sein, von der Grafik und den Levels her. Keiner möchte wirklich in den verrotteten Kleinstädten leben, in denen selbst die Polizei nicht ihr Freund und Helfer ist. Zu den Levels gehören verdreckte Straßenabschnitte, verkommene Kaufhäuser, ein alter Bahnsteig, ein Zoo, sowie ein großes Gefängnis und das riesige Anwesen von Starkweather. Nirgends fühlt man sich wohl. Das liegt besonderes an der oft detaillierten wie auch schrecklichen Levelgestaltung. So finden sie in einem Hochhaus aufgehängte (nackte) Leichen von anscheinend gefolterten Menschen, in einem Gefängnistrakt entdecken sie einen Typ, der festgebunden auf dem elektrischen Stuhl sitzt. Manhunt zeichnet sich durch unterschiedlich hohe Interaktivität mit der Umgebung aus. Sie können beispielsweise den Hebel umlegen um die ebenerwähnte Person zu „schocken“ oder im Verlauf des Spiels sogar Kräne steuern und mit dem angebundenen Magneten Kühlschränke (physikalisch einigermaßen korrekt) durch die Luft und auf heranstürmende Gegner schleudern. Einfallslos ist Manhunt durch solche Spielereien keinesfalls, denn es bietet Abwechslung und bringt sie spielerisch voran. Große Spannung bietet Manhunt aber nicht, weil sie auf Normal einen Radar besitzen, der jeden Gegner anzeigt. Zudem sind sie in den Schatten extrem sicher, hier entdecken die Gegner Cash nicht einmal wenn er direkt vor ihrer Nase steht, es sei denn sie erzeugen nochmals direkt vor einem „wachsamen“ Gegner ein Geräusch. Die KI ist zwar dumm aber nicht zu dumm…


Rockstar = hoher Schwierigkeitsgrad?

Man merkt recht schnell, dass das Spiel von den GTA Machern Rockstar entwickelt wurde. Die Grafikengine ist zum Großteil die aus GTA 3 und Vice City. Manhunt bietet jedoch eine etwas bessere, schärfere und detailreichere Optik, immerhin müssen nicht die aus den GTA-Teilen riesigen Städte dargestellt werden. Selbst einige Soundeffekte dürften bekannt sein, was jedoch den guten Gesamtsound und die dynamische nur ab und zu einsetzende Musik nicht abwertet. Mit der Grafik dürfte man keine Probleme bekommen, schwerer wird’s da schon mit dem Schwierigkeitsgrad, der bei Spielen von Rockstar allgemein recht hoch ist. In Manhunt hält sich dieser in Grenzen u.a. durch die schlechte KI (viele Scripts, kein Zusammenhalt etc.) und durch die leider insgesamt recht kurze Spieldauer. Trotzdem wird ihnen Manhunt einige Frustmomente bieten (kurze aber unfaire Passagen), auch wenn sie bereits nach einigen Stunden den netten Abspann sehen…


Fazit

Manhunt dürfte einigen Leuten wegen des Gewaltfaktors Kaufgrund genug sein. Dieser sollte aber nicht überschätzt werden: Abtrennbare Körperteile, bis auf den Kopf, gibt es nicht. Weiterhin sind die Mordsequenzen natürlich in Spielgrafik und daher nicht allzu schlimm zu ertragen und jeder dürfte zwischen Spiel und Realität unterscheiden können. Manhunt ist trotzdem ziemlich „hart“. Gerade kleinere Details in den Levels und bestimmte Szenen machen Manhunt zwar nicht zum brutalsten Spiel aller Zeiten, aber bestimmt zu einem der grausamsten und pädagogisch unwertvollsten Videospiele, das keinesfalls in Kinderhände gehört. Jeder Andere (Horrorfan) kann sich den Kauf überlegen, da es kein schlechtes Spiel ist.

Autor: Frank Trautwein
Datum: Vor Relaunch (stattgefunden am 11.10.2004)

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